Die Division-Konkurrenz: Was uns 2026 in der AFC West erwartet
Wie sieht die Offseason der Chargers, Broncos und Raiders bisher aus? Wer sind unsere stärkten Konkurrenten?
2025 hat weh getan. 6-11. Patrick Mahomes verletzt nach Woche 15. Erstes Mal seit 2014 keine Playoffs, erste Down-Saison von Andy Reid in Kansas City. Das wird 2026 besser – davon sind wir alle überzeugt. Schritt 1 war es Eric Bieniemy als OC zurückzuholen und mit Mansoor Delane im Draft haben wir Aber auch die Konkurrenz in der AFC West hat sich bewegt und einige Moves gemacht. Hier kommt unser Scouting Report der drei AFC-West-Rivalen, der gestern auch schon als Podcast live gegangen ist:
Wir sind nicht mehr automatisch in den Playoffs
Das ist der unangenehme Satz, mit dem ich diesen Newsletter eröffnen muss. Unsere Serie von neun Division-Titeln in Folge ist vorbei. Die Broncos haben sie 2025 mit ihrer 14-3-Bilanz geknackt, aber auch die Chargers spielen erfolgreichen Football unter Harbaugh und sogar die Raiders, ja, die Raiders, haben in dieser Offseason viel gemacht, um besser zu werden..
Aber: Mahomes ist hoffentlich bis Saisonstart gesund zurück, Bieniemy bringt wieder Energie & Bewegung in die Offense, und unsere Defense unter Spagnuolo bleibt das, was sie immer war: das schlauste Schema der Liga. Nur mit jüngeren, leistungsfähigeren Spielern. Wir sind nicht ohne Chance. Wir sind nur nicht mehr Favorit.
Und genau deshalb ist es wichtig, dass wir uns die drei Divisionrivalen mal konkret anschauen:
Denver Broncos – der Titelverteidiger
Die Offseason: Alles oder nichts?
Sean Payton hat in dieser Offseason zwei Dinge getan, die die Broncos zum Super Bowl bringen sollen. Erstens: Er hat Wide Receiver Jaylen Waddle aus Miami geholt und dafür viel aufgegeben: Pick 30, Pick 94 und Pick 130 sind nach Süden gewandert, dafür kam ein Top-15-Receiver nach Denver. Das ist kein Pflaster, das ist der “Big Move”, um Bo Nix die richtigen Waffen zu geben.
Zweitens: Die Broncos haben ihre Leistungsträger fast alle gehalten. J.K. Dobbins (2J/16 Mio.), Alex Singleton (2J/15,5 Mio.), Justin Strnad (3J/18 Mio.), McMillian per RFA-Tender. Externe Zugänge: Safety Tycen Anderson aus Cincinnati. Aber es sind doch einige gegangen. Besonders weh tut John Franklin-Myers an die Titans.
Im Draft mussten sie daher ohne Erst- und Zweitrundenpick auskommen – DT Tyler Onyedim und RB Jonah Coleman sind die Namen, die gekommen sind. Erstmal eher Backups und Rotationsspieler als direkte Hilfe.
Spielstil: Methodisch und gemein
Payton hat seine Saints-DNA mit nach Colorado gebracht – eine West Coast Offense mit viel Pre-Snap-Motion. Die Basis ist ein Quick-Game wie zu besten Drew-Brees-Zeiten. Sicherheit geht vor und Bo Nix soll ein Game-Manager sein, nicht der Franchise-Hero. Heimlicher Star: Die O-Line. Sie haben 2025 die fünftwenigsten Sacks zugelassen und damit das Leben von Box Nix deutlich vereinfacht.
Aber die wahre Stärke des Teams liegt auf der anderen Seite des Balls ab. Vance Joseph hat eine Top-3-Defense gebaut – aggressiver Passrush mit verschiedenen Looks und relativ oft die höchste Blitz-Rate der Liga. Dazu meist Man-Coverage. Warum funktioniert das? Weil sie mit Patrick Surtain II den besten Cornerback der Liga haben und daher Wide Receiver aus dem Spiel nehmen können und mehr Spieler in der Box haben können.
Worauf kommt 2026 es an: Was macht Bo Nix?
Sie die Broncos ein Super-Bowl-Kandidat? Dafür muss Nix den Sprung machen, den zum Beispiel Jordan Love oder Jalen Hurts in ihrem dritten Jahren gemacht haben. Wird er ein Top-10-QB, dann sind die Broncos echtes Super-Bowl-Material. Stagniert er auf 2025-Niveau, bleibt Denver ein verdammt gutes, aber nicht überragendes Team.
Der Waddle-Trade zahlt genau auf diese Wette ein: Headcoach Payton glaubt, dass Nix einen echten Big-Play-Receiver braucht, um den nächsten Level zu erreichen. Denver war 2025 29. in Three-and-Outs – nur wenn die Offense das verändert, gewinnen sie nicht nur oft knapp, sondern deutlich souveräner.
Was das für uns bedeutet
Die Broncos sind das gefährlichste Team der Division. Kann Spagnuolo gegen Bo Nix und die bärenstarke O-Line etwas ausrichten? Darauf wird es ankommen.
Mein Tipp: 12 Wins, AFC-West-Titel sehr gut möglich, aber die Chiefs darf man nie unterschätzen.
Und der wichtigste Fakt: Sie haben Mahomes noch nie in einem KO-Spiel geschlagen. Das müssen sie erst beweisen.
Los Angeles Chargers – endlich gesund?
Die Offseason: Konservativer Aufbau
Der Chargers-GM Joe Hortiz hat erneut keine großen Knaller geholt, sondern war durchaus sparsam – das passt zu ihm und zu Headcoach Jim Harbaugh. Sie haben Tyler Biadasz als Center geholt, Cole Strange als Guard, Dalvin Tomlinson als DT, Charlie Kolar als TE und Keaton Mitchell als RB-Ersatz für Starter Omarion Hampton. Drei der vier wichtigen Zugänge sind O- oder D-Line. Es zählt: Trenches first.
Verloren haben sie: Passrusher Odafe Oweh (Commanders, 100 Mio.), O-Liner Zion Johnson (Browns), Running Back Najee Harris. Das tut gerade im Passrush weh – Oweh war eine Macht und fällt jetzt neben Khalil Mack weg.
Im Draft acht Picks, sechs davon für O-Line und D-Line. Akheem Mesidor (Edge, Miami) in Runde 1, Jake Slaughter (OL, Florida) in Runde 2, Brenen Thompson (WR mit einer 40-Yard-Zeit von 4.26) in Runde 4.
Aber: Der wirklich große Move war kein Spieler. Mike McDaniel ist neuer OC.
Spielstil: Plötzlich modern
Das ist die größte taktische Veränderung der Division. Greg Romans Run-Fokus ist weg, McDaniels Outside-Zone-Offense aus dem Shanahan-System ist drin. Viel Pre-Snap-Motion, Läufe nach außen, überraschende Speed-Konzepte und Play-Action-Pässe aus Run-Looks. McDaniel hat aus Tua Tagovailoa einen Pro Bowler gemacht – was kann er mit dem deutlich talentierteren Justin Herbert machen?
Defensiv: Neuer DC Chris O’Leary aus dem Vic-Fangio-Tree. Spielt gerne auf Sicherheit im Defensive Backfield mit Two-High-Safetys und aggresiven Conerbacks außen, die von der Line of Scrimmage an Press-Coverage spielen, dafür eher leichte Boxes mit maximal vier Passrushern. Solide, nicht spektakulär.
Der X-Factor: Die Gesundheit von Slater und Alt
Rashawn Slater (Patellarsehne) und Joe Alt (Knöchel) kommen beide zurück nach schweren Verletzungen. Sie sind die Edelverteidiger von Herbert und sind letzte Saison ausgefallen. Wenn beide gesund 17 Spiele schaffen, ist das eines der besten Tackle-Duos der Liga und McDaniels System hat das Fundament, das es braucht. Wenn nicht? Dann wird Herbert wieder massiv unter Druck stehen.
Ohne Witz: An den Knien und Knöcheln dieser beiden Tackles hängt die Chargers-Saison.
Was das für uns bedeutet
Hier wird es interessant. Herbert ist 0-2 in Playoffs als Starter. Das ist nicht Pech – das ist ein Muster. Die Chargers verlieren immer dann, wenn es darauf ankommt. “Chargering” ist ein eigener Begriff, weil es immer wieder passiert. Aber: Wenn McDaniel die Offense wirklich modernisiert und die O-Line gesund bleibt, ist das plötzlich ein richig gutes Team.
Mein Tipp: 10 Wins, Wild Card knapp erreicht, AFC-West-Titel außer Reichweite. Sie sind das Team, das am ehesten “1-2 Spieler” entfernt von einem ernsthaften Run ist – aber darauf warten die Chargers-Fans (gibt es welche?) seit Herberts Rookie-Jahr.
Las Vegas Raiders – alles neu
Die Offseason: Komplett-Umbau in Silver and Black
3-14 in 2025. Pete Carroll raus. Klint Kubiak rein als Headcoach. John Spytek als GM neu. Und dann: Pick #1 im Draft. Den haben sie genutzt, um sich Fernando Mendoza zu holen – Heisman-Sieger, National Champion mit Indiana, 41 TDs, 72 % Completion. Das nächste Generational-Talent.
Dazu Free-Agency-Einkaufsmarathon (Ausgaben von ~280 Mio. $): Tyler Linderbaum als Center (löst Creed Humphrey als Bestverdiener ab), Quay Walker und Nakobe Dean als komplett neues LB-Mittelfeld, Kwity Paye als Edge, Jalen Nailor als WR2, Taron Johnson als Slot-CB.
Und dann die Maxx-Crosby-Saga: Crosby war für zwei Erstrundenpicks zu den Ravens getradet – Baltimore hat den Trade gecancelt wegen “degenerativer Knieprobleme”. Crosby ist zurück bei den Raiders. Pikant, weil er einen Trade gefordert hatte. Jetzt bleibt er in der Stadt des Glückes.
Dazu kommt Bridge-QB: Kirk Cousins. Zurück aus der Hölle in Atlanta soll er einmal wieder helfen einen jungen Quarterback in die Liga zu bringen. Gleichzeitig kann er zeigen, dass er mer als ein Backup sein kann.
Spielstil: Old-School, ungewöhnlich
Kubiak bringt aus Seattle die zweithöchste Under-Center-Rate der Liga (52,6 %) mit. Das ist ein Anti-Trend in einer Liga voller Shotgun-Offenses. Ansonsten relativ ähnlicher Ansatz wie die Chargers mit Mike McDaniel. Mit Ashton Jeanty und Brock Bowers haben die Raiders zwei starke Playmaker. Spannend wird sein, wie lange Mendoza braucht, um aus einem anderen Offensiv-System anzukommen und Kubiaks Philosophie zu lernen. Das wird eine echt spannende Lernkurve.
Defensiv: 3-4 unter DC Rob Leonard, Edge-Heavy mit Crosby/Paye/Koonce. Walker und Dean machen die LB-Mitte komplett neu. Wenn alles funktioniert, ist das eine Top-10-Front, aber das Defensiv Backfield hat noch einige Lücken.
Der X-Factor: Mendozas Anpassung
Größter X-Factor der gesamten Division. Mendoza ist Heisman-Sieger, aber er hat im College fast nur aus dem Shotgun gespielt. Kubiak ist der Under-Center-König der NFL. Das sind zwei Welten.
Wenn Mendoza schnell lernt und in Woche 6 als Starter übernimmt mit guter Production, ist die Raiders-Zukunft gesichert. Wenn er rumpelt, sehen wir Cousins die ganze Saison und möglicherweise einen verunsicherten Rookie-Quarterback.
Was das für uns bedeutet
Aktuell die schwächste Mannschaft der Division, aber das mit Abstand höchste Long-Term-Upside. Mendoza zweimal gegen Spagnuolo wird zum härtesten Test seines Rookie-Jahres. Da bin ich mir sehr sicher. Spags wird ihm die Hölle heiß machen.
Aber Vorsicht: Cousins als Bridge-QB ist eine Lotterie. Der Mann hat schon viele Defenses zerlegt. Wenn er den Ball schnell rausbekommt zu Bowers und Meyers, kann er uns auch wehtun.
Mein Tipp: 7 Wins. Aufbaujahr, klarer Platz 4. Aber 2027 oder 2028? Da müssen wir uns wärmer anziehen!
Meine Meinung: Das ist die härteste Division der NFL
Drei Punkte, die ich euch mitgeben möchte:
Die AFC West ist 2026 die stärkste Division der NFL. Drei Playoff-Anwärter, ein aufstrebender Rebuild, höchste Talent-Dichte. Es gibt nirgendwo anders so viele Topstars auf ihren jeweiligen Positionen.
Drei AFC-West-Teams in den Playoffs sind möglich. Broncos sicher, Chiefs sehr wahrscheinlich, Chargers als Wild Card. Das gibt es nicht so oft. Hier scheint es echt machbar.
Wir müssen besser werden, um wieder Division-Champion zu sein. Das Mahomes-Comeback allein reicht nicht. Bieniemy muss liefern. Josh Simmons muss als LT halten. Delane muss als Rookie sofort abliefern. Dann haben die Chiefs eine gute Chance auch wieder Edelmetall aus der Regular Season mitzunehmen.
Aber: Wir haben Mahomes, wir haben Spagnuolo, wir haben Reid. Und wir haben einen Draft hinter uns, den die meisten Analysten als sehr gut bewertet haben – Delane, Peter Woods, R Mason Thomas auf der Defense, dazu Emmett Johnson als Walker-Ersatz. Das passt.
Unser Wunschszenario: Spagnuolo schafft gegen drei junge bzw. neu aufgestellt QBs (Nix in Jahr 3, Herbert mit neuem System, Mendoza als Rookie) richtig Verwirrung und die Defense glänzt. Und mit gesundem Mahomes und einem stärkeren Run-Ansatz unter Bieniemy bin ich mir ziemlich sicher: Wir holen uns die Division zurück. Aber leicht wird es nicht. Und genau das macht 2026 so verdammt spannend.
Kann die Saison bitte bald losgehen? Bis dahin: GO CHIEFS.




