Am Sonntag kommen die New York Jets ins Arrowhead. Ihr bester Spieler wird dabei fehlen: Garrett Wilson hat im Spiel gegen die Raiders einen Schlag gegen den Kopf abbekommen und eine Gehirnerschütterung erlitten, die Jets haben ihn für das Spiel bereits abgemeldet. Dabei hätte er auch ohne Verletzung in diesen Tagen viele Blicke aus Kansas City auf sich gezogen.
Denn Wilson ist einer der Namen, die in den letzten Wochen am häufigsten mit uns in Verbindung gebracht wurden. Russell Wilson hat bei CBS gefordert, dass die Chiefs ihn holen, und mehrere Trade-Vorschläge kursieren. Nach Brian Thomas Jr., Josh Downs, Stefon Diggs und George Pickens schauen wir uns deshalb den nächsten Kandidaten an. Wie realistisch ist ein Trade?
Wilson ist 26 Jahre alt, in Chicago geboren und als Kind von Ohio nach Austin, Texas, gezogen. An der Lake Travis High School stellte er Schulrekorde auf, unter anderem 3.359 Receiving Yards und 55 Touchdowns. Danach spielte er für Ohio State, 2022 holten ihn die Jets im Draft an Position 10. In seiner ersten Saison wurde er direkt Offensive Rookie of the Year.
2022: 83 Catches, 1.103 Yards, 4 Touchdowns
2023: 95 Catches, 1.042 Yards, 3 Touchdowns
2024: 101 Catches, 1.104 Yards, 7 Touchdowns
2025: 36 Catches, 395 Yards, 4 Touchdowns in 7 Spielen (Knieverletzung, Saisonende auf der Injured Reserve)
2026: 43 Catches, 527 Yards, 3 Touchdowns in 8 Spielen
Bemerkenswert: Seine drei 1.000-Yard-Saisons hat er mit Quarterbacks wie Zach Wilson gesammelt, also unter schwierigen Bedingungen. In der ersten Hälfte der Saison 2025 bekam er laut Fantasy Points Data 31,2 Prozent aller Targets der Jets. Er war also immer der erste Ansprechpartner.
Was er kann:
Routen. Wilson gilt als einer der besten Route-Runner der Liga und schüttelt Verteidiger auch in Man-Coverage, also Manndeckung, ab.
Nach dem Catch. Er macht aus kurzen Pässen viele Yards nach dem Catch.
Konstanz. Drei 1.000-Yard-Saisons in seinen ersten drei Jahren, mit wechselnden Quarterbacks.
Was ihm fehlt:
Tiefe. Wilson ist kein klassischer Deep-Threat. 12,3 Yards pro Catch in dieser Saison und ein längster Catch von 32 Yards sagen genug. Thorntons Rolle würde er nicht übernehmen.
Gesundheit. Knie 2025, jetzt die Gehirnerschütterung.
Emotionen. Im Spiel gegen Miami geriet er an der Seitenlinie mit Quarterback Geno Smith aneinander. Headcoach Aaron Glenn nannte das „overblown“, also aufgebauscht.
Das größte Hindernis ist sein Vertrag. Wilson hat im Sommer 2025 für vier Jahre und 130 Mio. US-Dollar verlängert, der Vertrag läuft bis 2030. In dieser Saison wäre er für uns sogar günstig: Wir müssten nur den Rest seines Grundgehalts übernehmen, rund 1,5 Mio. US-Dollar. Das würde selbst in unseren knappen Cap Space von zwei bis drei Mio. passen. Ab 2027 wären es dann aber 23 bis über 38 Mio. pro Jahr, ein großer Teil davon garantiert.
Und die Jets wollen gar nicht. Adam Schefter berichtet, es gebe „no way“, dass sie Wilson vor der Deadline abgeben. Ian Rapoport nannte die Spekulationen „nuts“. Wilson selbst hat gesagt, dass er keinen Trade fordern wird. Dazu kommt: Die Jets stehen zwar bei 2-6, haben aber 2027 drei Erstrunden-Picks. Sie brauchen keine Picks, sondern Spieler für den Neuaufbau, und Wilson ist einer davon.
Der Preis: Wenn die Jets überhaupt verhandeln würden, dann nicht unter einem Erstrunden-Pick plus einem Pick aus Runde zwei oder drei. Wilson ist 26 und bis 2030 unter Vertrag, er ist kein Leihspieler für das Saisonende. Unser Erstrunden-Pick liegt als Spitzenteam weit hinten und ist dafür kaum genug.
Wilson wäre sofort unser WR1 außen und vor allem eines: der Nachfolger für Rashee Rice. Rice spielt das letzte Jahr seines Rookie-Vertrags, hat in vier Jahren 27 Spiele durch Verletzungen und Sperren verpasst und diese Woche Insolvenz angemeldet. Ob die Chiefs ihm im Frühjahr einen großen Vertrag geben, ist offen. Mit Wilson wäre diese Frage beantwortet.
Kurzfristig würde er aber in denselben Räumen arbeiten wie Rice und Travis Kelce: kurze und mittlere Routen. Xavier Worthy müsste weiter die tiefen Bälle übernehmen, die er in dieser Saison nicht verlässlich fängt. Wenn alle fit sind, wäre unsere Offense also besser, aber nicht schneller.
Im Vergleich mit den bisherigen Kandidaten: Sportlich ist Wilson mit George Pickens der beste Receiver dieser Liste. Anders als Pickens löst er aber unser Deep-Problem nicht, und anders als bei Pickens sind die Jets kein Verkäufer.
Was für einen Trade spricht:
Er ist jung, konstant und unter Vertrag bis 2030, also die langfristige Lösung als WR1.
Für diese Saison würde er kaum Cap Space kosten.
Er wäre die Antwort auf die offene Rice-Frage.
Was dagegen spricht:
Die Jets wollen ihn nicht abgeben, laut Schefter auf keinen Fall.
Der Preis wäre ein Erstrunden-Pick plus mehr, dazu ab 2027 ein Vertrag auf Top-Niveau.
Er ist kein Deep-Threat und löst damit nicht unser drängendstes Problem.
Mein Fazit: Garrett Wilson ist ein Traum, aber ein unrealistischer. Er wäre für mich der ideale Receiver für die Zeit nach Rice, jung, konstant und ein echter WR1.
Nur passt in diesem Fall gar nichts zusammen. Die Jets verkaufen ihn nicht, der Preis wäre enorm, und unser Problem in dieser Saison ist das Tempo in der Tiefe, nicht ein weiterer Receiver für die Mitte.
Ich rechne nicht damit, dass er bis Dienstag ein Chief wird. Vielleicht ist das Thema im nächsten Frühjahr wieder interessanter, wenn sich bei den Jets etwas bewegt.
Eure Meinung: Würdet ihr für Wilson einen Erstrunden-Pick abgeben? Schreibt es mir in die Kommentare.








