Vor einem Jahr war George Pickens noch der Receiver, um den die Cowboys ihre Offense gebaut haben. 1.429 Yards, Pro Bowl, Second-Team All-Pro. Jetzt stehen die Cowboys bei 3-5, Pickens spielt mit dem Franchise Tag, und in den letzten zwei Spielen hat er zusammen nur zehn Targets bekommen. Plötzlich ist er einer der spannendsten Namen vor der Trade-Deadline am 10. November.
Für uns ist er aus einem einfachen Grund interessant: Er ist genau der Typ Receiver, der uns seit Tyquan Thorntons Verletzung fehlt. Brian Thomas Jr., Josh Downs und Stefon Diggs haben wir uns schon angeschaut. Keiner von ihnen ist ein verlässlicher Deep-Threat. Pickens schon. Aber was würde er kosten, und lohnt sich das?
Pickens ist 25 Jahre alt und kommt aus Hoover in Alabama. Aufs College ging er trotzdem nicht nach Alabama, sondern nach Georgia. Dort riss er sich im Frühjahr 2021 das Kreuzband, kam aber rechtzeitig für die Playoffs zurück und gewann mit den Bulldogs die nationale Meisterschaft. Im Finale gegen Alabama fing er einen Pass über 52 Yards.
Wegen der Verletzung fiel er im Draft 2022 bis in die zweite Runde. Die Pittsburgh Steelers holten ihn an Position 52. Schon in seiner Rookie-Saison wurde er für ein Play bekannt: einen einhändigen Catch in voller Streckung gegen die Browns, der als Catch des Jahres gehandelt wurde. Spektakuläre Bälle sind seitdem sein Markenzeichen.
2023 führte er die Liga mit 18,1 Yards pro Catch an. Das zeigt, was ihn ausmacht: Er fängt nicht viele kurze Bälle, sondern die langen. Im Mai 2025 tradeten ihn die Steelers für einen Dritt- und einen Fünftrunden-Pick nach Dallas. Neben CeeDee Lamb hatte er dort seine beste Saison und kam auf Platz 3 der Liga bei den Receiving Yards.
2022 (Steelers): 52 Catches, 801 Yards, 4 Touchdowns
2023 (Steelers): 63 Catches, 1.140 Yards, 5 Touchdowns
2024 (Steelers): 59 Catches, 900 Yards, 3 Touchdowns
2025 (Cowboys): 93 Catches, 1.429 Yards, 9 Touchdowns
2026 (nach Week 8): 39 Catches, 533 Yards, 2 Touchdowns
Einen langen Vertrag gab es danach trotzdem nicht. Die Cowboys haben ihn im Februar mit dem Franchise Tag belegt, also einem Einjahresvertrag für 27,3 Mio. US-Dollar, mit dem ein Team einen Spieler halten kann, ohne sich langfristig festzulegen. Nach der Saison ist er wieder Free Agent, sofern Dallas ihn nicht erneut taggt.
Dieses Jahr startete ordentlich, er war auf Kurs für eine weitere 1.000-Yard-Saison. Dann kritisierte Headcoach Brian Schottenheimer nach der Niederlage gegen Green Bay öffentlich sein Blocken im Laufspiel. Seitdem steht Pickens nur noch bei rund 57 bis 60 Prozent der Snaps auf dem Feld, Ryan Flournoy übernimmt mehr und mehr seine Rolle.
Offiziell liegt das an einer Oberschenkelverletzung (Hamstring). Schottenheimer sagt, es wäre „poor coaching“, einen seiner besten Spieler absichtlich vom Feld zu nehmen. Auch in dieser Woche konnte Pickens nur eingeschränkt trainieren. Dak Prescott und CeeDee Lamb haben sich gestern klar hinter ihn gestellt. Lamb sagte, er wisse nicht, warum ein Trade überhaupt Thema sei.
Aber: Die Entscheidung treffen nicht die Spieler. Und bei 3-5 und wenig Fortschritt bei den Vertragsgesprächen ist ein Trade für Dallas eine echte Option. Am Sonntag gegen die Colts könnte sich das entscheiden.
Was er kann:
Tiefe. Pickens ist einer der besten Receiver der Liga bei langen Bällen. 18,1 Yards pro Catch in 2023 und 15,4 Yards pro Catch 2025 sind Werte eines echten Deep-Threats.
Umkämpfte Bälle. Er gewinnt auch dann, wenn er nicht frei ist. Gerade für einen Quarterback wie Mahomes, der gern auch in enge Fenster wirft, ist das wertvoll.
Alter. Mit 25 ist er kein Leihspieler für das Saisonende, sondern könnte für die nächsten Jahre unser WR1 sein.
Was ihm fehlt:
Voller Einsatz. Schon in Pittsburgh wurde ihm fehlender Einsatz vorgeworfen, etwa als er 2023 an der Goal Line nicht für Running Back Jaylen Warren blockte. Seine Begründung damals: Er wollte sich nicht verletzen. Jetzt in Dallas geht es wieder ums Blocken.
Verfügbarkeit. Der Hamstring bremst ihn gerade, schon 2024 verpasste er deswegen Spiele.
Preis. Er ist mit Abstand der teuerste Kandidat, beim Gehalt und im Trade.
Pickens wäre bei uns sofort WR1 außen. Damit wäre er der erste der vier Kandidaten, der nicht um dieselben Bälle konkurriert wie Rashee Rice und Travis Kelce, sondern Platz für sie schafft. Wenn die Safeties wieder tief stehen müssen, wird die Mitte des Feldes frei. Genau das hat uns in Seattle und im vierten Viertel in Denver gefehlt.
Xavier Worthy würde endgültig zum Gadget-Player. Und Worthy ist in mehreren Trade-Vorschlägen Teil des Pakets nach Dallas, was für uns nicht der schlechteste Teil des Deals wäre.
Wichtig dabei ist der Blick auf Rice. Sein Rookie-Vertrag läuft nach der Saison aus, er hat in vier Jahren 27 Spiele durch Verletzungen und Sperren verpasst und diese Woche Privatinsolvenz angemeldet, wegen Schulden aus dem Autounfall 2024. Ob die Chiefs Rice einen großen Vertrag geben, ist offen. Mit Pickens hätten wir für 2027 eine Alternative, die jünger und gesünder ist.
Und Tyreek Hill? Die Chancen auf ein Comeback in Kansas City sind gesunken. Laut NFL-Insider Ian Rapoport ist Hill noch nicht gesund genug, dazu hat ein Zivilgericht ihn im Oktober in einem Verfahren um Gewalt gegen seine Ehefrau haftbar gemacht. Eine Sperre durch die NFL ist möglich.
Vertrag und Preis: Das Tag-Gehalt von 27,3 Mio. US-Dollar müssten wir nur anteilig für die restlichen Wochen übernehmen, nach meiner Rechnung also rund die Hälfte. Das ist trotzdem viel Platz unter dem Salary Cap, und ob die Chiefs ihn ohne Umstrukturierungen haben, ist offen. Dazu kommt: Mit dem Tag kann er erst nach der Saison einen langen Vertrag unterschreiben. Wir würden ihn also nur dann langfristig halten, wenn wir ihn im Frühjahr verlängern oder selbst taggen.
Beim Preis im Trade gehen die Vorschläge weit auseinander. Caesars hat Worthy plus einen Erst- und einen Viertrunden-Pick genannt, ESPN-Analyst Ben Solak nur einen Drittrunden-Pick 2027 plus einen bedingten Fünftrunden-Pick. Ich sehe den fairen Preis näher an Solak. Pickens ist für Dallas nur noch acht Spiele sicher, sie haben 2027 selbst keinen Dritt-, Fünft- oder Sechstrunden-Pick, und wir haben 2027 einen zusätzlichen Dritt- und Viertrunden-Pick. Worthy plus ein Drittrunden-Pick wäre für mich ein realistisches Paket.
Im Vergleich mit Brian Thomas, Josh Downs und Stefon Diggs: Wenn alle fit sind, ist Pickens sportlich der beste der vier. Thomas hat ähnliches Potential, aber zwei schwache Jahre hinter sich. Downs und Diggs sind sichere Optionen für kurze Bälle, lösen aber nicht unser Deep-Problem. Pickens tut das.
Was für einen Trade spricht:
Er ist der einzige der vier Kandidaten, der unser größtes Problem löst: Es fehlt ein Receiver, der Verteidigungen in die Tiefe zwingt.
Mit 25 und als Second-Team All-Pro 2025 wäre er eine Lösung über diese Saison hinaus.
Er nimmt Druck von Rice und Kelce, statt mit ihnen um Targets zu konkurrieren.
Was dagegen spricht:
Der Preis im Trade und vor allem das Gehalt unter dem Cap.
Ohne Verlängerung ist er im Frühjahr Free Agent. Und eine Verlängerung wird auf Top-Niveau kosten.
Die Fragen nach seinem Einsatz begleiten ihn seit Pittsburgh.
Mein Fazit: Ich würde George Pickens holen. Er ist der Receiver, den diese Offense seit Thorntons Verletzung sucht, und er ist jung genug, um mehr als ein Leihspieler zu sein.
Die Charakter-Fragen nehme ich ernst. Aber Andy Reid hat schon oft gezeigt, dass er mit schwierigen Typen umgehen kann, und in einer Offense mit Mahomes und einem echten Titelziel ist die Motivation eine andere als bei 3-5 in Dallas.
Meine Grenze wäre der Erstrunden-Pick. Worthy plus ein Drittrunden-Pick, dafür würde ich sofort zuschlagen. Und wenn es mit Pickens klappt, wäre die Frage nach Rices Vertrag im Frühjahr deutlich entspannter.
Eure Meinung: Pickens, Diggs, Downs oder Thomas? Und was wäre er euch wert? Schreibt es mir in die Kommentare.
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