In Indianapolis bleibt gerade kaum ein Stein auf dem anderen. General Manager Chris Ballard ist entlassen, Guard Quenton Nelson und Defensive Tackle DeForest Buckner sind abgegeben, und auch Running Back Jonathan Taylor gilt als nächster Kandidat. Mittendrin hat Josh Downs laut ESPN-Insider Jeremy Fowler um einen Trade gebeten. Auf Nachfragen sagte er nur: „It is what it is.“ Er sei heute noch hier.
Für Downs ist der Zeitpunkt nachvollziehbar. Sein Rookie-Vertrag läuft nach dieser Saison aus, und ein Team im Umbruch ist nicht der beste Ort, um sich für den nächsten Vertrag zu empfehlen. Für uns ist er interessant, weil Tyquan Thornton auf der Injured Reserve steht, Xavier Worthy kaum liefert und Travis Kelce mit 37 Jahren nicht ewig der verlässlichste Passempfänger bleiben wird.
Downs kommt aus einer Football-Familie. Sein Vater Gary Downs spielte an der NC State und arbeitet heute als Coach, sein Onkel Dré Bly war elf Jahre Cornerback in der NFL. Sein jüngerer Bruder ist Safety Caleb Downs, der von Alabama nach Ohio State wechselte und inzwischen für die Dallas Cowboys spielt.
Aufgewachsen ist Josh in Suwanee in Georgia, aufs College ging er an die University of North Carolina. Dort wurde er schnell zum Lieblingsziel seiner Quarterbacks: 2021 fing er 101 Pässe für 1.335 Yards, 2022 94 Pässe für 1.029 Yards und 11 Touchdowns. Sein Quarterback damals: Drake Maye, heute bei den New England Patriots. Von Mayes 38 Touchdown-Pässen 2022 fing Downs elf.
Beim Combine 2023 zeigte sich, warum er trotzdem erst in Runde 3 an Position 79 an die Colts ging. Downs ist nur 1,75 Meter groß und wog 78 Kilo. Seine 4,48 Sekunden auf 40 Yards waren gut, aber nicht spektakulär. Beeindruckend war vor allem seine Sprungkraft mit fast einem Meter im Vertical Jump. Den Pick hatten die Colts übrigens im Trade für Carson Wentz von den Commanders bekommen.
2023: 17 Spiele, 68 Catches, 771 Yards, 2 Touchdowns
2024: 14 Spiele, 72 Catches, 803 Yards, 5 Touchdowns
2025: 16 Spiele, 58 Catches, 566 Yards, 4 Touchdowns
2026 (nach Week 8): 8 Spiele, 30 Catches, 330 Yards, 1 Touchdown
Downs war vom ersten Tag an produktiv. Schon als Rookie fing er 68 Bälle, obwohl ihn ab der Saisonmitte eine Knieverletzung bremste. 2024 folgte seine beste Saison mit 72 Catches und 803 Yards, obwohl er vor dem Saisonstart einen High Ankle Sprain auskurieren musste und drei Spiele verpasste. 2025 ging es dann zurück auf 566 Yards.
Die Konstante: Downs ist einer der produktivsten Slot-Receiver der Liga. Seit seinem Draft hat er laut CBS Sports 1.964 Yards aus dem Slot gefangen, mehr hat nur Amon-Ra St. Brown von den Lions. Was ihm fehlt, ist die eine große Saison. Eine 1.000-Yard-Saison hatte er noch nie. Fairerweise muss man sagen, dass er in Indianapolis selten einen stabilen Quarterback hatte.
In dieser Saison ist er mit 330 Yards der beste Receiver der Colts. Seinen ersten Touchdown fing er ausgerechnet beim 7-42 in Jacksonville, im selben Spiel, in dem Brian Thomas Jr. seinen 98-Yard-Touchdown erzielte.
Was er kann:
Schnell aus dem Break kommen. Downs lebt von kurzen, schnellen Richtungswechseln. Im 20-Yard-Shuttle lief er beim Combine 4,15 Sekunden, im Three-Cone-Drill 6,75 Sekunden. Genau diese Beweglichkeit braucht ein Receiver, der aus dem Slot gegen Nickel-Cornerbacks und Safeties spielt.
Der sichere Abnehmer. Er ist der klassische Ball, den ein Quarterback wirft, wenn er schnell einen sicheren Abnehmer braucht. Drei Jahre in Folge kam er auf mindestens 58 Catches, bei sehr wechselhaftem Quarterback-Spiel.
Produktion aus dem Slot. Platz 2 der Liga hinter St. Brown seit 2023 ist kein Zufall, sondern zeigt, dass er diese Rolle wirklich beherrscht.
Was ihm fehlt:
Größe. Mit 1,75 Metern ist er bei hohen Bällen, in der Red Zone und bei umkämpften Pässen klar im Nachteil. Das erklärt auch die vergleichsweise wenigen Touchdowns.
Tiefe. Downs ist kein Deep-Threat und wird auch keiner mehr. Wer ihn holt, um Thornton zu ersetzen, holt den falschen Spieler.
Separation. Laut Next Gen Stats hat er in dieser Saison im Schnitt nur 2,7 Yards Abstand zum nächsten Verteidiger. Das ist Platz 81 von 116 Receivern. Er ist also nicht so spektakulär frei, wie seine Catch-Zahlen vermuten lassen. Er fängt die Bälle eher, weil er sich in engen Fenstern behauptet.
Downs wäre bei uns ein Slot-Receiver, und genau da liegt das Problem. Im Slot und in der Mitte des Feldes spielen schon Rashee Rice und Travis Kelce. Downs würde also kurzfristig nicht eine Lücke schließen, sondern um dieselben Bälle konkurrieren. Gegen die tiefen Probleme dieser Offense hilft er nicht.
Spannend wird er mit Blick auf die Zukunft. Kelce ist 37, und niemand weiß, wie lange er noch spielt. Ein junger Slot-Receiver, der kurze und mittlere Routen sicher läuft, wäre ein sinnvoller Baustein für die Zeit danach. Dafür müsste man ihn aber länger halten.
Und Rice ist immer wieder angeschlagen und selten eine ganze Saison fit - gleichzeitig hat er immer wieder Probleme mit dem Gesetz. Mit Josh Downs hätte man ein wichtiges Backup und würde mehr Flexibilität in den nächsten Jahren haben.
Vertrag und Preis: Downs spielt die letzte Saison seines Rookie-Vertrags und ist im Frühjahr 2027 Free Agent. Als Drittrunden-Pick verdient er wenig, finanziell wäre ein Trade für die Chiefs also kein Problem. Auch das Draftpick-Konto der Chiefs würde voraussichtlich nicht zu stark belastet werden, da sein Vertrag im Frühjahr ausläuft und die Colts in dieser Saison chancenlos sind. Ohne Vertragsverlängerung wäre er also eine reine Leihgabe für den Rest der Saison plus Playoffs.
Im Vergleich mit Brian Thomas Jr.: Die beiden würden ganz unterschiedliche Rollen ausfüllen. Thomas ist der große X-Receiver mit größerem Talent und höherem Risiko, Downs der kleine, sichere Slot-Receiver ohne riesiges Potential, aber sicherem Floor. Thomas hat bis zu zweieinhalb Jahre Vertrag, Downs nur noch diese Saison.
Was für einen Trade spricht:
Downs ist sofort einsatzbereit und braucht keine lange Eingewöhnung. Slot-Routen sind in jeder Offense ähnlich.
Er ist günstig, sowohl beim Preis im Trade als auch beim Gehalt.
Er wäre eine Absicherung für Verletzungen bei Rice und Kelce und ein möglicher Kelce-Nachfolger im Slot.
Was dagegen spricht:
Er löst nicht das Problem, das wir gerade haben. Uns fehlen Big Plays und ein Receiver außen, nicht ein weiterer Spieler für kurze Bälle.
Er würde, wenn alle fit sind, in der Mitte mit Rice und Kelce um dieselben Targets konkurrieren.
Ohne Verlängerung ist er im Frühjahr wieder weg. Und eine Verlängerung für einen Slot-Receiver ohne 1.000-Yard-Saison wäre nicht billig.
Mein Fazit: Ich würde Josh Downs nehmen. Nicht als Lösung für unser Deep-Problem, sondern als Investition in die Zeit nach Travis Kelce. Downs ist 25, hat in drei Jahren mit wechselnden Quarterbacks konstant geliefert und hat seit 2023 die zweitmeisten Yards aus dem Slot gefangen.
In Andy Reids Offense mit Mahomes, der genau diese kurzen und mittleren Bälle liebt, traue ich ihm mehr zu als in Indianapolis. Kurzfristig ist er die beste Versicherung für Verletzungen bei Rice und Kelce, die man für wenig Geld bekommen kann. Langfristig könnte er derjenige sein, der Kelces Rolle im Slot übernimmt.
Für einen Pick aus der vierten oder fünften Runde würde ich zuschlagen, am besten mit einer Verlängerung gleich dazu. Und wer beides will: Brian Thomas Jr. außen, Downs im Slot, das wäre das Receiver-Upgrade, auf das Mahomes seit Jahren wartet.
Eure Meinung: Downs oder Thomas? Oder beide? Schreibt es mir in die Kommentare.








