Am 28. Oktober haben die Kansas City Chiefs Justin Tucker für ihren Practice Squad verpflichtet. Sportlich ist die Logik schnell erklärt: Harrison Butker trifft in dieser Saison nur 67 % seiner Field Goals, Tucker galt lange als bester Kicker der NFL-Geschichte.
Aber dieser Signing ist keine reine Sportentscheidung. Und deshalb wollen wir darüber in einem eigenen Text sprechen, getrennt vom Spielbericht.
Die neue Folge DAS KINGDOM:
Über das Tucker-Signing sprechen wir direkt zu Beginn der Folge.
Die Vorwürfe: Im Jahr 2025 veröffentlichte die Baltimore Banner Recherchen, nach denen 16 Massagetherapeutinnen Tucker sexuelles Fehlverhalten während Behandlungen vorwerfen. Die geschilderten Fälle stammen aus den Jahren 2012 bis 2016.
Tuckers Reaktion: Er hat die Vorwürfe als „unequivocally false“ zurückgewiesen, also als eindeutig falsch.
Juristisch: Eine Anklage oder Zivilklage gab es nicht.
Die Ravens: Baltimore hat Tucker im Mai 2025 entlassen.
Die NFL: Die Liga hat ihn wegen Verstoßes gegen die Personal Conduct Policy für 10 Spiele gesperrt. Die Sperre ist abgesessen.
Die Chiefs: Am 28. Oktober 2026 holt Kansas City ihn in den Practice Squad.
Wichtig für die Einordnung: Eine Sperre nach der Personal Conduct Policy ist kein Gerichtsurteil. Sie bedeutet aber, dass die Liga nach eigener Untersuchung ein Fehlverhalten festgestellt hat, das eine Strafe rechtfertigt.
Andy Reid wurde nach dem Signing darauf angesprochen. Seine Antwort war kurz: „He's done his suspension, you know? Took care of that business … I'll leave it at that.“ Er habe sich informiert: „I try to do homework on it.“
Das ist die Logik des Geschäfts: Strafe abgesessen, Akte geschlossen. Eine Haltung zu den Vorwürfen selbst ist das nicht. Und genau die fehlt uns.
Ninia: Als weiblicher Fan fällt es ihr schwer, mit diesem Signing umzugehen. Clark Hunt spricht selbst gern davon, dass rund 57 % der Chiefs-Fans Frauen sind. Wer das ernst meint, kann nicht so tun, als wäre dieser Signing egal. Dazu kommt: Mit Tyreek Hill und Kareem Hunt gab es bei den Chiefs schon früher Fälle, in denen sportliche Interessen schwerer wogen.
Kolja: Für ihn hätte Clark Hunt hier eine moralische Grenze ziehen müssen. Eine Franchise, die so viel über Werte und Familie spricht, muss auch Nein sagen können, wenn ein Spieler sportlich hilft.
Daniel: Für mich ist das eine Parallele zu Deshaun Watson. Damals haben viele Chiefs-Fans mit dem Finger auf Cleveland gezeigt. Jetzt passiert bei uns etwas Ähnliches. Gleichzeitig nutzt die Liga Taylor Swift als Marketing-Asset, um weibliche Fans zu gewinnen. Das passt nicht zusammen.
Ich habe durch diese Entscheidung Respekt vor Andy Reid und der Familie Hunt verloren. Und ich finde: Wir Männer müssen an dieser Stelle klar sagen, so geht's nicht. Ich werde in diesem Newsletter und im Podcast nicht positiv über Justin Tucker sprechen. Auch nicht, wenn er irgendwann ein wichtiges Field Goal für uns trifft.
Sportlich mag Tucker unser Kicker-Problem lösen. Aber Fan zu sein heißt nicht, jede Entscheidung des eigenen Teams gutzuheißen. Die Chiefs haben sich entschieden, dass ein paar Field Goals schwerer wiegen als die Vorwürfe von 16 Frauen. Wir sehen das anders.
Eure Meinung: Wie geht ihr mit dem Tucker-Signing um? Trennt ihr Sport und Haltung, oder ist für euch hier eine Grenze überschritten? Schreibt es uns, wir lesen alles!








Ehrlich gesagt ich war erstmal geschockt als das signing bekannt wurde. Ich glaube das war von den Chiefs einen Business Entscheidung. Aber da steckt halt mehr als Business dahinter. Ich mochte Tucker noch nie. Sportlich gesehen ja er könnte helfen, Moralisch ein No Go. Und für mich zählt das hier mehr
Vielen Dank für eure Einordnung zu dem Thema. Es ist der erste Beitrag dazu, mit dem ich mich wirklich identifizieren kann. Neben eurem Podcast höre ich auch regelmäßig "locked on chiefs" und deren Beitrag vom 29.10. zum Signing von Justin Tucker hat mich schwer enttäuscht. Es ist für mich, wie ihr schreibt, KEINE REINE SPORTENTSCHEIDUNG!
Für mich wurde die Angelegenheit bisher nicht ausreichend aufgearbeitet und die Chiefs leisten mit der undurchsichtigen Aussage: wir haben uns informiert, keine angemessene Erklärung.