Kurz und knapp vor dem Sunday Night Game, denn die Woche war schon lang genug. Die Chiefs stehen bei 5-0, die Seahawks bei 3-3 mit zwei Niederlagen in Folge. Trotzdem sind wir Außenseiter, Seattle ist mit drei Punkten favorisiert. Damit kann ich gut leben: Mit Patrick Mahomes als Starter stehen die Chiefs als Underdog bei 9-3.
Anstoß: Montag, 01:20 Uhr deutscher Zeit. Achtung, heute Nacht wurde die Uhr umgestellt, der Kickoff ist eine Stunde früher als gewohnt.
Ort: Lumen Field, Seattle.
Chiefs raus: Right Tackle Jaylon Moore (Gehirnerschütterung), Wide Receiver Rashee Rice (Oberschenkel/Knie), Running Back Brashard Smith (Oberschenkel). Fraglich sind L'Jarius Sneed (Knie) und Cooper McDonald (Knie). Travis Kelce hat keinen Status und spielt.
Seahawks raus: Running Back Zach Charbonnet (Knie) sowie die Linebacker Drake Thomas und Chazz Surratt. Fraglich sind unter anderem DeMarcus Lawrence, Uchenna Nwosu und Safety Nick Emmanwori.
Die größte Geschichte des Abends: Kenneth Walker, Super-Bowl-MVP mit Seattle, kehrt im Chiefs-Trikot zurück. Die Seahawks wollten ihn nicht unbedingt halten – und Walker hat bisher geliefert. Nach fünf Spielen steht er bei 665 Rushing Yards, das sind mehr als doppelt so viele wie Seattles bester Rusher Emanuel Wilson (303). Walker hat von allen Running Backs die meisten Missed Tackles erzwungen (41) und kommt auf 152 Yards from Scrimmage pro Spiel, Bestwert der NFL.
Dabei ist Walker auch noch ein Schnäppchen. Die Chiefs haben ihn für drei Jahre und 43,05 Mio. US-Dollar verpflichtet. Mit 14,35 Mio. pro Jahr ist er laut Spotrac nur der neuntbestbezahlte Running Back der Liga – und führt sie mit 133 Rushing Yards pro Spiel an. Die Seahawks haben ihm nach dem Super-Bowl-Sieg nie ein ernsthaftes Angebot gemacht und stattdessen in der ersten Runde Jadarian Price von Notre Dame gedraftet. Der liegt nach einer Brustverletzung auf der Injured Reserve.
Der Effekt auf unser Laufspiel ist enorm: Die Chiefs-Running-Backs haben in dieser Saison schon 19 Läufe über zehn Yards (Platz zwei) und sieben über 20 Yards (geteilter Bestwert). In der kompletten Saison 2025 waren es 22 Läufe über zehn Yards (Platz 31) und ein einziger über 20 Yards (Platz 32).
Aber: Seattle hat seit 35 Spielen keinen 100-Yard-Rusher zugelassen und lässt nur 3,5 Yards pro Lauf gegen Running Backs zu (Platz drei). Ich glaube trotzdem, dass Walker die Serie heute beendet. Er weiß genau, wie diese Defense tickt, und kein Running Back in der Liga bricht so viele Tackles. Wenn er die 100 knackt, gewinnen wir.
Wer auf viele Punkte hofft, wird heute wohl enttäuscht. Seattle lässt nur 1,54 Punkte pro Drive zu (Platz zwei), die Chiefs 1,57 (Platz drei). Bei der Success Rate, also dem Anteil der gegnerischen Spielzüge, die als Misserfolg gelten, liegen die Seahawks mit 65,5 Prozent auf Platz zwei, wir mit 63,2 Prozent auf Platz drei. Nach EPA (Expected Points Added) ist Seattle die zweitbeste Defense gegen den Pass und die beste gegen den Lauf.
Unsere Defense hat andere Stärken: In der Redzone lässt sie nur bei einem Drittel der gegnerischen Besuche einen Touchdown zu (vier von zwölf, Platz zwei). Und im Schnitt gewinnen die Chiefs 108 Yards pro Spiel mehr als ihre Gegner – die größte Differenz der Liga.
Der vielleicht wichtigste Wert ist ein anderer: Unsere Offense kassiert im Schnitt nur 2,0 Sacks plus Turnover pro Spiel (Platz zwei). Seattle kommt auf 4,7 (Platz 27). Die Seahawks-Offense schenkt den Ball also deutlich häufiger her – genau dafür ist Steve Spagnuolos Defense gebaut.
Kahlil Benson an Left Tackle, Joshua Ezeudu an Right Tackle – so werden wir gegen den besten Passrush antreten, den wir bisher gesehen haben. Mit Josh Simmons auf der Injured Reserve und Moore draußen kommt dieser Test genau zur richtigen Zeit: Bis zur Trade Deadline am 10. November wissen die Chiefs dann, ob sie an der Line nachlegen müssen.
Seattle hat 16 Sacks von acht verschiedenen Spielern, blitzt aber kaum und holt seinen Druck mit vier Rushern, vor allem von innen über Leonard Williams und Byron Murphy II. Meine Prognose: Benson und Ezeudu überstehen den Abend, wir kassieren maximal zwei Sacks. Die Line hat in fünf Spielen erst sechs Sacks zugelassen, und Mahomes' Sack-Rate von 3,6 Prozent ist seine niedrigste seit 2020.
Mahomes spielt die effizienteste Saison seit Jahren: 8,3 Yards pro Passversuch (höchster Wert seit 2019), eine Touchdown-Rate von 5,7 Prozent (höchster seit 2022). Gleichzeitig wirft er so wenig wie nie. Mit 34,8 Dropbacks pro Spiel liegt er auf einem Karrieretief, mehr als 30 Pässe hat er erst in einem Spiel geworfen. Walker trägt die Offense.
Heute reicht das aus meiner Sicht nicht. Seattle stoppt den Lauf wie kaum ein anderes Team, und wenn Walker nicht sofort Raum findet, muss Mahomes das Spiel in die Hand nehmen. Leicht wird das nicht: Die Seahawks lassen ligaweit die wenigsten Yards pro Passversuch zu (5,3). Mehr als 6,5 waren es in diesem Jahr in keinem Spiel. Mahomes hat erst einmal gegen eine Defense von Mike Macdonald gespielt, im AFC Championship Game im Januar 2024 gegen die Ravens. Die Chiefs gewannen 17-10, Mahomes kam auf 30 von 39 Pässen, aber nur 241 Yards. Genau so ein Spiel erwarte ich heute wieder: geduldig, kurz, und am Ende entscheiden ein, zwei Big Plays.
Ohne Rashee Rice und Tyquan Thornton bleibt Xavier Worthy die Nummer eins. Gegen die Chargers fing er alle sieben Pässe, die zu ihm kamen, für 73 Yards, übernahm dabei aber vor allem die kurzen Crossing Routes, die sonst Rice läuft. Dahinter stehen Jalen Royals und Andrew Armstrong als Starter, mit wenig Ertrag. Spannend finde ich Cyrus Allen: Nur vier Routen gegen die Chargers, aber zwei Catches für 27 Yards, darunter ein wichtiger 23-Yarder im vierten Viertel. Mahomes vertraut dem Rookie offensichtlich.
Einfach wird es für keinen von ihnen. Seattle lässt nur 6,2 Yards pro Target gegen Wide Receiver zu, Bestwert der Liga. Auch Tight Ends haben es schwer: 4,4 Yards pro Target (Platz drei), selbst Trey McBride und George Kittle blieben blass. Für Travis Kelce wird es ein zäher Abend.
Der Champion hat ein Problem auf der anderen Seite des Balls. Ohne Walker, ohne den verletzten Rookie Price und ohne Zach Charbonnet ist das Laufspiel eines der schwächsten der Liga: Seattles Running Backs kommen im Schnitt auf nur 0,65 Yards, bevor sie den ersten Kontakt haben (Platz 31). Die Line macht ihnen kaum Platz. Sam Darnold ist schwach in die Saison gestartet, und Offensive Coordinator Klint Kubiak ist nicht mehr da.
Bleibt Jaxon Smith-Njigba, der in Catches, Yards und Touchdowns die Liga anführt. Er ist Walkers größter Konkurrent um den Titel Offensive Player of the Year. Hinter ihm wird es dünn: Cooper Kupp ist in die Jahre gekommen, Rashid Shaheed bekam in Seattle sogar mehr Geld als Walker und hat bisher enttäuscht. Die Aufgabe für Spagnuolo ist klar: frühe Downs gewinnen, Darnold in lange dritte Versuche zwingen und Smith-Njigba doppeln. Die anderen sollen uns schlagen.
Wie gut Smith-Njigba ist, zeigen die Zahlen: 49 Catches für 717 Yards, also fast 120 pro Spiel, dazu der längste Catch der Saison über 82 Yards. „Er ist ohne Zweifel der beste Receiver, den wir gesehen haben“, sagte Chiefs-Secondary-Coach Dave Merritt. Unsere Rookie-Cornerbacks Nohl Williams und Mansoor Delane spielen eine starke Saison, so einen Gegner hatten sie aber noch nicht.
Eine kleine, aber wichtige Baustelle: Nikko Remigio verlor gegen die Chargers einen Punt Return per Fumble. Laut Special-Teams-Coordinator Dave Toub hatte er den Ball im Laufen gefangen, statt einen Fair Catch anzuzeigen. „Er wollte ein bisschen mehr, als er hätte tun sollen“, sagte Toub. „Er ist ein verlässlicher Spieler, ein sicherer Fänger. Fumbles liegen nicht in seiner DNA.“ In einem Spiel, in dem jeder Ballverlust entscheiden kann, darf das heute nicht noch einmal passieren.
Seattle spielte von 1977 bis 2001 in der AFC West, also in unserer Division. In diesen 25 Jahren gewannen die Seahawks den Titel nur zweimal, 1988 und 1999. Damals waren sie also ein bequemer Gegner. Heute Nacht sicher nicht.

















Vielen Dank für die super Analyse. Das wird hart. Denke 21:19 für unsere Chiefs natürlich. Go Chiefs