Washington hat Stefon Diggs im August geholt, damit er Jayden Daniels hilft, die Commanders zurück in die Playoffs zu bringen. Drei Monate später sieht die Lage anders aus. Die Commanders stehen bei 2-4-1, Terry McLaurin fällt mit einer Knieverletzung für den Rest der Saison aus, und Diggs ist mit 32 Jahren plötzlich einer der Namen, die vor der Trade-Deadline am 10. November bei verschiedenen Teams gehandelt werden.
Auch bei uns. Albert Breer von Sports Illustrated hat bei Colin Cowherd gesagt, dass Diggs bei den Chiefs „a ton of sense“ machen würde. Der Grund ist bekannt: Tyquan Thornton steht nach seiner Knöchelverletzung auf der Injured Reserve, Xavier Worthy liefert kaum, und Rashee Rice ist gerade erst nach drei Spielen Pause zurück. Nach Brian Thomas Jr. und Josh Downs schauen wir uns deshalb den dritten Kandidaten an. Was kann Diggs mit 32 noch?
Diggs ist in Gaithersburg im Bundesstaat Maryland aufgewachsen und hat an der University of Maryland College Football gespielt. Sein jüngerer Bruder ist Cornerback Trevon Diggs. 2015 holten ihn die Minnesota Vikings erst in der fünften Runde an Position 146.
Berühmt wurde er mit einem einzigen Spielzug: dem „Minneapolis Miracle“ in den Playoffs der Saison 2017. Letzte Sekunden, Catch an der Seitenlinie, der Verteidiger verpasst den Tackle, 61 Yards zum Touchdown und zum Sieg gegen die Saints. Danach folgte die Karriere eines der konstantesten Receiver der Liga.
Vikings (2015–2019): zwei 1.000-Yard-Saisons an der Seite von Adam Thielen
Bills (2020–2023): vier 1.000-Yard-Saisons in Folge, 2020 mit 127 Catches und 1.535 Yards Liga-Bester und First-Team All-Pro
Texans (2024): Kreuzbandriss in Week 8, bis dahin 47 Catches für 496 Yards
Patriots (2025): 85 Catches, 1.013 Yards, 4 Touchdowns, Einzug in den Super Bowl
Commanders (2026): 6 Spiele, 27 Catches, 252 Yards, 5 Touchdowns
Bemerkenswert ist vor allem 2025. Nach einem Kreuzbandriss mit 31 Jahren noch einmal 1.000 Yards zu fangen, schaffen nicht viele Receiver. Trotzdem haben ihn die Patriots im März nach nur einer Saison entlassen. Im August unterschrieb er in Washington einen Einjahresvertrag über bis zu 12 Mio. US-Dollar.
Zur Vorgeschichte gehört auch ein Strafverfahren: Seine frühere Privatköchin hatte ihn wegen Körperverletzung angezeigt. Aber: Im Mai 2026 hat ihn eine Jury in allen Punkten freigesprochen, die NFL hat ihre Untersuchung danach eingestellt. Offen sind noch zwei Zivilklagen, darunter eine Klage seiner früheren Freundin.
Auf den ersten Blick sind fünf Touchdowns in sechs Spielen stark. Drei davon fing er allein in den ersten beiden Spielen. Der Rest der Zahlen ist nüchterner: 9,3 Yards pro Catch, der längste Catch ging über 20 Yards. Laut Rotowire liegt seine durchschnittliche Wurftiefe, also wie weit hinter der Line of Scrimmage er im Schnitt angespielt wird, bei 8,4 Yards.
Fairerweise muss man sagen, dass Washington kein einfaches Umfeld ist. Jayden Daniels fiel früh mit einer Ellbogenverletzung aus, zeitweise warf Backup Marcus Mariota. In Week 5 fehlte Diggs selbst mit einer Oberschenkelverletzung (Hamstring). Und in den Trainingswochen setzt er mittwochs inzwischen regelmäßig aus, um seinen Körper zu schonen. Das ist mit 32 normal, zeigt aber, wo er in seiner Karriere steht.
Was er kann:
Scramble-Drill. So nennt man Spielzüge, in denen der Quarterback aus der Pocket ausbricht und die Receiver ihre Routen spontan anpassen müssen. Breer beschreibt Diggs genau als so einen Scramble-Drill-Receiver, der das mit Josh Allen und Drake Maye jahrelang gespielt hat. Bei Mahomes ist das kein Nebenthema, sondern ein großer Teil unserer Offense.
Zone-Coverage lesen. Diggs findet die freien Räume zwischen den Verteidigern und ist nach dem Catch in offenem Feld gefährlich.
Erfahrung. 960 Catches, über 11.600 Yards, Playoff-Spiele mit drei Teams. Er braucht keine Eingewöhnung, um zu verstehen, was ein Quarterback von ihm will.
Was ihm fehlt:
Tiefe. Auch Diggs ist kein Deep-Threat mehr. Ein längster Catch von 20 Yards in sechs Spielen sagt genug. Thornton ersetzt er nicht.
Sichere Hände. Seine Drop-Rate liegt laut Rotowire bei 10,5 Prozent. Für einen Receiver, dessen Stärke Zuverlässigkeit sein soll, ist das zu viel.
Alter und Körper. Kreuzbandriss 2024, Hamstring in diesem Jahr, Pausen im Training. Wer Diggs holt, muss mit Ausfällen rechnen.
Diggs wäre bei uns WR2 neben Rashee Rice, und zwar vor allem für kurze und mittlere Routen. Das klingt zunächst nach dem Problem, das wir schon bei Downs hatten: noch ein Receiver für die Mitte des Feldes. Der Unterschied ist, dass Diggs außen und im Slot spielen kann und in Scramble-Situationen eine Waffe ist, die uns gerade fehlt. Xavier Worthy würde damit noch stärker in die Rolle als Gadget-Player rutschen, der für Jet Sweeps und einzelne tiefe Shots kommt.
Dazu kommt Rice. Er ist zurück und hat in Denver direkt einen Touchdown gefangen. Aber er war in den letzten Jahren immer wieder verletzt, und auch seine Probleme mit dem Gesetz sind nicht vergessen. Ein erfahrener Receiver, der sofort einspringen kann, ist für uns deshalb mehr als ein Luxus.
Vertrag und Preis: Diggs hat nur einen Einjahresvertrag und ist im Frühjahr wieder Free Agent. Für die Commanders wäre er also eine reine Leihgabe, die sie ohnehin verlieren. Hinzu kommt sein Alter.
Sollte Washington am Sonntag gegen die Rams verlieren und auf 2-5-1 fallen, gibt es kaum einen Grund, ihn zu halten. Ich halte deshalb einen Pick aus der sechsten oder siebten Runde für realistisch. Der Haken: Wir müssten den Rest seines Gehalts für diese Saison übernehmen und dafür gegebenenfalls Platz unter dem Salary Cap schaffen.
Im Vergleich mit Thomas und Downs: Wenn alle fit sind, ist Brian Thomas Jr. der Spieler mit dem höchsten Potential und dem höchsten Risiko, Downs die Investition in die Zeit nach Travis Kelce. Diggs ist die kurzfristigste der drei Lösungen, aber auch die, bei der man am genauesten weiß, was man bekommt.
Was für einen Trade spricht:
Diggs ist sofort einsatzbereit und passt mit seiner Stärke im Scramble-Drill genau zu Mahomes.
Der Preis im Trade wäre niedrig, weil sein Vertrag ausläuft und Washington nach unten schaut.
Er sichert uns gegen weitere Ausfälle von Rice ab und gegen ein Hill-Comeback, das nicht funktioniert.
Was dagegen spricht:
Er löst unser Deep-Problem nicht, dafür fehlt ihm das Tempo.
Mit 32 und nach Kreuzband- und Hamstring-Verletzungen ist das Ausfallrisiko hoch.
Die Drop-Rate passt nicht zu einem Receiver, der vor allem sichere Bälle fangen soll.
Mein Fazit: Ich würde Stefon Diggs holen, wenn der Preis stimmt. Er ist nicht der Receiver, der unsere Offense wieder explosiv macht. Aber er gibt Mahomes einen sicheren Floor, also einen Receiver, auf den er sich in jeder Woche verlassen kann.
Gerade in den Momenten, in denen Mahomes improvisiert, braucht er Receiver, die verstehen, wohin sie laufen müssen. Diggs hat das mit Allen und Maye bewiesen. In einer Offense, die gegen Seattle nur drei Punkte und in Denver im vierten Viertel keinen einzigen erzielt hat, ist das viel wert.
Für einen Pick aus der sechsten oder siebten Runde gibt es kaum ein Risiko. Diggs ist kein Langzeitprojekt wie Downs und kein Wagnis wie Thomas, sondern eine Lösung für genau diese Saison. Und die ist mit 5-2 immer noch eine, in der wir um den Super Bowl spielen wollen.
Eure Meinung: Diggs, Downs oder Thomas? Oder wartet ihr lieber auf Tyreek Hill? Schreibt es mir in die Kommentare.








