Sechs mickrige Catches für 39 Yards. Das war die Ausbeute unserer Wide Receiver in Seattle, und für mich ist das die eigentliche Erkenntnis aus dem 3-20. Seit Tyquan Thornton nach seiner Knöchel-OP auf der Injured Reserve liegt, hat diese Offense niemanden mehr, vor dem eine Defense tief Respekt haben muss.
Die Folge haben wir am Sonntag gesehen: Zwei Safeties stehen tief, rücken trotzdem nah ran, und vorne wird es für Worthy, Royals und Co. eng. Rashee Rice kommt bald zurück, aber er ist ein Timing-Receiver für die kurzen und mittleren Wege. Den Field Stretcher, also den Receiver, der die Defense mit seinem Tempo nach hinten zieht, ersetzt er nicht.
Laut ESPN will Brett Veach vor der Trade Deadline am 10. November noch einen Receiver holen. Im Podcast haben wir schon einige Namen durchgespielt, in der Community kamen viele weitere dazu. Deshalb schauen wir uns heute die Kandidaten genauer an, und zwar mit drei Fragen: Wer ist bezahlbar, diese Saison und in den nächsten Jahren? Wer passt in die Lücke als Field Stretcher? Und wer ist überhaupt realistisch?
Bevor wir über Namen reden, ein Blick aufs Konto, denn das ist leer. Laut OverTheCap haben die Chiefs aktuell rund 2 Mio. US-Dollar Cap Space, NFL.com kommt auf 2,2 Mio. Davon muss auch noch ein Puffer für Practice-Squad-Call-ups und Verletzungen bleiben. Ohne Umbau geht also so gut wie nichts.
Das Gute: Bei einem Trade während der Saison zahlt das neue Team nur das restliche Grundgehalt. Das wird in 18 Wochenraten ausgezahlt, nach der Deadline am 10. November sind noch neun davon offen. Ein Receiver mit 10 Mio. Grundgehalt kostet uns diese Saison also nur rund 5 Mio. Cap Space. Den Signing Bonus trägt das alte Team als Dead Money weiter.
Die großen Hebel haben die Chiefs allerdings schon gezogen. Patrick Mahomes hat im Februar umstrukturiert (43,6 Mio. frei), dazu kamen George Karlaftis im Mai (7,7 Mio.) und Trey Smith kurz vor Saisonstart (rund 12,3 Mio.). Alle drei stehen jetzt nur noch bei gut 1,2 Mio. Grundgehalt, da ist nichts mehr zu holen. Übrig bleiben Chris Jones, Creed Humphrey und Nick Bolton. Weil ein Restructure mitten in der Saison nur das noch nicht ausgezahlte Gehalt umwandeln kann, sind das grob geschätzt 6 bis 8 Mio. bei Jones, 5 bis 6 Mio. bei Humphrey und 4 bis 6 Mio. bei Bolton. Humphrey gilt bei den Beat-Reportern als logischster Kandidat.
Aber: Jeder Restructure schiebt Geld in die Zukunft, und 2027 ist schon jetzt eng. Je nach Quelle und Zahl der eingerechneten Spieler liegen die Chiefs für 2027 zwischen knapp im Plus und gut 20 Mio. im Minus, und Mahomes' nächster Restructure gilt als sicher. Ein Receiver mit großem Vertrag für die nächsten Jahre ist deshalb kaum darstellbar. Am besten passt jemand mit Rookie-Vertrag oder einem Vertrag, der nach dieser Saison ausläuft.
Bei den Picks sieht es besser aus. Für 2027 haben die Chiefs ihre eigenen Picks in den Runden eins bis fünf plus einen zusätzlichen Drittrunden-Pick der Rams aus dem Trent-McDuffie-Trade. Das ist genau die Währung, über die wir hier reden.
Als Maßstab nehme ich den aDOT, also die durchschnittliche Wurftiefe, mit der ein Receiver angespielt wird. Zum Vergleich: Xavier Worthy kam 2025 auf 12,3 Yards, in dieser Saison nur noch auf 8,5.
Brian Thomas Jr. (Jaguars): Der naheliegendste Name. Thomas wird mit 14,2 Yards Wurftiefe angespielt, als Rookie 2024 hatte er 1.282 Yards und zehn Touchdowns. In Jacksonville ist er aber außen vor: 9 Catches für 105 Yards in sechs Spielen, in Wembley wurde er zur Halbzeit gebencht. Sein Rookie-Vertrag kostet uns diese Saison nur rund 0,5 Mio., 2027 sind es 4,66 Mio., dazu kommt eine Option für 2028. ESPNs Jeremy Fowler nennt die Chiefs als Interessenten.
Aber: Die Jaguars stehen bei 4-2 und wollen viel. Marvin Harrison Jr. ging für einen Zweitrunden-Pick nach Houston, für Thomas wird es eher mehr. Dazu kommen Drops und wenig Erfolg auf kurzen Wegen.
George Pickens (Cowboys): Sportlich der Traum. 2025 hatte er 1.429 Yards und wurde ins zweite All-Pro-Team gewählt, PFF führt ihn bei tiefen Pässen als einen der besten Receiver der Liga. Aber er spielt mit dem Franchise Tag für 27,3 Mio., nach der Deadline stünden noch rund 13,7 Mio. aus. Das ist mehr als alle realistischen Restructures zusammen, dazu wäre er ein reiner Leihspieler bis Saisonende. Dallas steht bei 3-4 und hat bisher keine Signale gesendet. Für mich: unrealistisch.
Quentin Johnston (Chargers): Mit 14,5 Yards Wurftiefe ein klarer Field Stretcher, und die Chargers sind mit 0-6 klare Verkäufer. Aber er fängt nur 36 Prozent der Bälle, die zu ihm kommen, und die Chargers haben seine Option für 2027 über 17,5 Mio. garantiert gezogen. Dazu der Divisionsrivale. Unwahrscheinlich und zu teuer.
Dontayvion Wicks (Eagles): 14,9 Yards pro Catch, 13,3 Yards Wurftiefe, und er kostet diese Saison wenig. Die Eagles stehen bei 2-5 und wollen kaufen und verkaufen. Aktuell ist er aber am Knöchel verletzt, und 2027 sind schon 2 Mio. garantiert. Ein Name, den ich auf dem Zettel hätte.
Joshua Palmer (Bills): Früher ein echter Deep Threat, in Buffalo aber nur noch Nummer vier oder fünf. Sein Grundgehalt von 9,66 Mio. ist für uns kaum unterzubringen, und Buffalo ist unser direkter Konkurrent um die AFC-Spitze. Eher nicht.
In Seattle war das Problem nicht nur die Tiefe, sondern dass niemand frei wurde. Dafür kommen diese Namen in Frage.
Josh Downs (Colts): Mein Favorit, dazu gleich mehr. Downs ist kein Field Stretcher (10,4 Yards Wurftiefe), aber ein Slot-Receiver, der seine Duelle gewinnt: 26 Catches für 307 Yards in sieben Spielen, obwohl in Indianapolis gerade vieles schiefläuft. Die Colts stehen bei 2-5, GM Chris Ballard wurde entlassen, und laut Fowler rechnen andere Teams damit, dass Indianapolis verkauft. Sein Vertrag läuft nach der Saison aus, nach der Deadline stünden noch rund 1,9 Mio. aus. A to Z schätzt den Preis auf einen Viertrunden-Pick.
Jauan Jennings (Vikings): In Minnesota hinter Justin Jefferson und Jordan Addison nur Nummer drei und mit kaum Targets (4 Catches, 43 Yards). Ein körperlicher Possession- und Redzone-Receiver, kein Deep Threat. Er kostet uns diese Saison rund 2,6 Mio. plus Incentives. Fowler nennt ihn als Option für die Chiefs, Tom Pelissero glaubt dagegen nicht an einen Trade.
Stefon Diggs (Commanders): 214 Yards und vier Touchdowns in fünf Spielen, Washington steht bei 1-4-1. Aber Diggs wird 33, wird im Schnitt nur 8,8 Yards tief angespielt und ist ein reiner Kurz- und Mittelstrecken-Receiver.
Chris Godwin (Buccaneers): Taucht in Spekulationen um die Chiefs auf, ist aber das Gegenteil von dem, was wir brauchen: 3,5 Yards Wurftiefe, dazu 33,7 Mio. Cap Hit. Ausgeschlossen.
Devaughn Vele (Saints): Der günstigste Vertrag im Feld (1,075 Mio., bis 2027), aber ein Possession-Typ, und in New Orleans zuletzt nur noch Nummer vier. Dyami Brown in Washington spielt kaum eine Rolle und liefert keinen Beleg, dass er noch tief gehen kann.
Garrett Wilson (Jets) und DeVonta Smith (Eagles): Die beiden Stars auf der Liste. Wilson ist ein Route-Runner für kurze und mittlere Wege (9,7 Yards Wurftiefe), Smith gewinnt auf allen Ebenen. Beide wären diese Saison sogar günstig, aber 2027 wären bei Wilson 24,5 Mio. und bei Smith 22 Mio. garantiert, bei Wilson laufen danach noch drei Jahre mit über 35 Mio. Cap Hit. Dafür fehlt uns das Geld, und es gibt keinen Bericht, dass New York oder Philadelphia die beiden abgeben wollen.
Tyreek Hill ist seit Februar Free Agent, nachdem Miami ihn entlassen hat. Im September 2025 hat er sich Kreuzband und Kniescheibe verletzt, im Juli sagte er selbst, er habe „keine Kraft im linken Bein“. Am 13. Oktober hat ihn ein Zivilgericht in Miami in zwei Fällen von Körperverletzung gegenüber seiner Ehefrau für haftbar erklärt, eine Sperre der NFL ist möglich. Die Chiefs haben laut The Athletic keine Eile. Für mich ist das Thema damit durch: Ich will Tyreek Hill nicht zurück, weder sportlich noch menschlich.
Die anderen Ex-Chiefs sind keine Lösung. Marquise „Hollywood“ Brown hätte in Philadelphia (5 Mio., ein Jahr) noch Tempo, ist aber oft verletzt und dort zuletzt sogar inaktiv. Marquez Valdes-Scantling wäre ohne Trade vom Steelers-Practice-Squad zu haben, ist aber 32 und kaum noch produktiv. JuJu Smith-Schuster, Mecole Hardman, Skyy Moore und Demarcus Robinson spielen keine Rolle mehr oder sind keine Deep Threats. Diese Zeiten sind vorbei.
Rashod Bateman (Ravens): Für mich der spannendste Name abseits der bekannten Listen. 18 Catches für 266 Yards, 14,8 Yards pro Catch und 13,3 Yards Wurftiefe, also ein echter Field Stretcher. Laut Fox Sports ist er Baltimores größter Trade-Kandidat, Rookie Ja'Kobi Lane drängt in seine Rolle. Sein Vertrag läuft bis 2027 (6,5 Mio. 2026, 8,25 Mio. 2027), dafür bräuchten wir allerdings einen Restructure.
Isaac TeSlaa (Lions): 9 Catches für 187 Yards, 20,8 Yards pro Catch und 13,5 Yards Wurftiefe, dazu ein Rookie-Vertrag bis 2028. Perfektes Profil, aber Detroit ist Contender, und ich habe keinen einzigen Bericht gefunden, dass er zu haben ist.
Jerry Jeudy (Browns): Cleveland ist laut Jordan Schultz offen für einen Trade und will einen Dritt- oder Viertrunden-Pick. Mit 10,4 Mio. Cap Hit 2026 und 13,5 Mio. 2027 aber zu teuer, und ein Field Stretcher ist er auch nicht mehr.
Calvin Ridley (Titans): Wird von CBS und Fox genannt, ist aber an der Hüfte verletzt und würde uns laut A to Z über den Cap drücken.
Die günstigen Speed-Optionen: Tutu Atwell (Rams, rund 1,4 Mio., 16,3 Yards Wurftiefe) war zuletzt sogar inaktiv, könnte aber für einen späten Pick zu haben sein. Darius Slayton ist nach seiner Entlassung bei den Colts Free Agent, hat aber Knieprobleme. CBS bringt außerdem Adonai Mitchell von den Jets ins Spiel. Das alles sind eher Ergänzungen als Lösungen.
Ich weiß, dass Josh Downs nicht der Field Stretcher ist, über den wir die ganze Zeit reden. Aber: In Seattle war das Problem auch, dass niemand frei wurde. Der Chiefs-Spieler mit der größten Separation war ausgerechnet Travis Kelce. Downs gewinnt seine Duelle aus dem Slot, er würde Mahomes schnelle, sichere Anspielstationen geben, und gerade gegen Druck wie in Seattle ist das Gold wert.
Gleichzeitig passt alles drumherum: Die Colts wollen verkaufen, sein Vertrag läuft nach der Saison aus und belastet 2027 nicht, nach der Deadline kostet er uns rund 1,9 Mio., und der Preis dürfte bei einem Pick aus dem dritten Tag liegen. Selbst dafür bräuchten wir allerdings einen kleinen Restructure, etwa bei Creed Humphrey.
Die einzige echte Field-Stretcher-Lösung mit passendem Vertrag ist Brian Thomas Jr., der aber deutlich mehr Draft-Kapital kosten würde. Pickens bleibt ein Traum, Garrett Wilson und DeVonta Smith sind zu teuer, und Tyreek Hill kommt für mich nicht in Frage.
Wen würdet ihr bis zum 10. November holen? Und habe ich einen Namen vergessen? Schreibt es uns in den Community Huddle.
GO CHIEFS!















Wäre es nicht möglich Worthy wieder "länger" einzusetzen?
Also das reine Tempo hat er ja und letzte Saison auch einen längeren aDot gehabt.
Vielleicht würde er so auch eher Separation bekommen.