Es ist die Frage, die ihr uns bei Instagram seit Wochen immer wieder stellt: Wir suchen einen „Field Stretcher“, und im Kader steht der Mann mit dem schnellsten 40-Yard-Dash der Combine-Geschichte. 4,21 Sekunden. Wieso also schaut Brett Veach sich nach Brian Thomas Jr. und Co. um, statt Xavier Worthy einfach in die Rolle von Thornton zu schieben?
Der Blick auf die Zahlen zeigt: Die Chiefs machen genau das Gegenteil. Seit Thornton in Week 4 gegen die Raiders ausgefallen ist, wird Worthy kürzer angespielt als vorher, und die gesamte Offense ist deutlich flacher.
Ich habe mir deshalb seine Targets der letzten drei Jahre genauer angeschaut, und das Ergebnis hat mich selbst überrascht.
Fangen wir mit der Wurftiefe an, also der Frage, wie weit hinter der Line of Scrimmage ein Receiver im Schnitt angespielt wird. Als Rookie 2024 lag Worthy bei 9,2 Yards, damals mit vielen Screens und Jet Sweeps. 2025 war er mit 12,9 Yards tatsächlich eine Art Deep Threat. In dieser Saison sind es nur noch 8,7 Yards. Fast absurd!
Und seit Thorntons Ausfall wird es nicht besser, sondern schlechter. In den ersten vier Spielen warf Mahomes im Schnitt 4,5 Pässe pro Spiel über 20 Yards, gegen die Chargers und in Seattle waren es zusammen nur drei. Die durchschnittliche Wurftiefe der ganzen Offense sank von 7,2 auf 4,6 Yards.
Worthy bekommt zwar etwas mehr Bälle (6,5 statt 5,5 Targets pro Spiel), aber eben kurz: gegen die Chargers 7 Catches für 73 Yards mit nur 4,3 Yards Wurftiefe, in Seattle 3 Catches für 11 Yards.
Das Spannende: Am Freilaufen liegt es nicht. Laut Next Gen Stats hat Worthy im Schnitt 3,6 Yards Abstand zum nächsten Verteidiger, wenn der Ball ankommt. Das ist Platz zehn unter 83 Receivern. Er wird frei, nur eben auf den kurzen und mittleren Wegen.
Die eigentliche Erklärung steckt in einer Zahl, die mich wirklich überrascht hat. Ich habe mir alle tiefen Targets auf Worthy seit 2024 angeschaut, also alle Pässe mit mindestens 20 Yards Wurftiefe. Das waren 41.
Laut den Charting-Daten von FTN waren davon nur 13 überhaupt fangbar, gefangen hat er acht. Zum Vergleich: Bei allen anderen Chiefs-Receivern war 2025 fast jeder zweite tiefe Ball fangbar. Mahomes und Worthy haben in drei Jahren nie wirklich zueinander gefunden, wenn es lang wird. Es fehlt scheinbar an Chemie.
Natürlich hat das schwache Zusammenspiel auch mit Mahomes zu tun. Schon 2024 analysierte Sports Illustrated, dass Timing, Footwork und Vertrauen bei den langen Bällen nicht immer passen.
Aber: Wenn über drei Jahre nur ein Drittel der tiefen Pässe überhaupt fangbar ist, liegt das nicht nur am Quarterback. Ein guter „Deep Threat“ muss seinen Verteidiger nicht nur abschütteln, sondern den Ball am Ende auch gegen Kontakt sichern. Genau daran scheitert Worthy.
Die Beobachter sind sich da erstaunlich einig. ESPN-Analyst Ben Solak nennt Worthy nach dem Seattle-Spiel „auf den meisten tiefen Routen nicht einsetzbar“. Brandon Kiley von Arrowhead Pride schrieb schon im September, Worthy wirke unsicher, meide Kontakt und struggled am Catch Point, also in dem Moment, in dem Receiver und Verteidiger um den Ball kämpfen.
Unter allen Erstrunden-Receivern der Drafts 2011 bis 2025 liegt er mit 6,6 Yards pro Target auf Platz 51 von 60. Dazu kommen die Drops: Laut PFF zwei allein im Colts-Spiel, und in Seattle ließ er im vierten Viertel einen Ball über die Mitte fallen, woraufhin Mahomes sich frustriert an den Helm griff.
Auch die Zeit nach dem Catch ist schwächer geworden. Als Rookie holte Worthy nach dem Fang noch mehr Yards heraus, als statistisch zu erwarten wäre. Seit 2025 ist er schwächer als der Durchschnitt. Vielleicht spielt da die Schulter eine Rolle, die er sich im Saisonauftakt 2025 ausgekugelt hat. Im Training Camp sagte er selbst, er sei nie bei 100 Prozent gewesen.
Und dann kamen die Verletzungen: Mit Rice und Thornton fehlten den Chiefs gleichzeitig ihr bester Receiver für die kurzen Wege und ihr Deep Threat. Die Coaches haben sich entschieden, Worthy in die Rice-Rolle zu schieben: kurze Crossing Routes, Flats, Bälle mit Raum nach dem Catch. „Sie haben mir die ganze Woche gesagt: Das Spiel ist auf mich zugeschnitten“, erzählte Worthy nach dem Chargers-Spiel.
Laut Fantasy-Analyst Ron Stewart bekommt kaum ein Receiver in der Liga so viele für ihn designte Spielzüge, nur Puka Nacua und Deebo Samuel liegen vorne. Dass die Coaches ihm die designten kurzen Bälle geben und die tiefen nicht, ist eine klare Aussage von Reid & Bieniemy.
Ich hatte gehofft, dass diese Saison Worthys große Chance wird, weil er endlich vollständig fit ist. Nach drei Jahren muss ich aber sagen: Worthy ist kein Deep Threat im klassischen Sinn. Er ist schnell, keine Frage.
Aber: Tempo allein reicht nicht, wenn der Ball am Ende gegen einen Verteidiger gesichert werden muss. Dass ausgerechnet der schnellste Mann im Kader die kürzesten Routen seiner Karriere läuft, ist kein Zufall und auch kein Fehler im Playbook. Es ist eine Antwort der Coaches.
Dabei hat Worthy gezeigt, was er kann, wenn er Platz hat. Im Super Bowl LIX gegen die Eagles fing er acht Bälle für 157 Yards und zwei Touchdowns. Viel davon kam aus Spielzügen, in denen er frei war, und nicht aus engen Duellen um den Ball. Genau da liegt seine Rolle: Speed nutzen, um Raum zu schaffen, nicht um Contested Catches zu gewinnen.
Rashee Rice ist seit dieser Woche zurück im Training. „Wenn er wieder auf dem Feld steht, wird das groß für uns“, sagte Mahomes. Man könnte jetzt hoffen, dass Worthy mit Rice zurück in die tiefe Rolle rutscht. Ich glaube das nicht. Er wird weiter vor allem kurz und mittel eingesetzt werden, mit ein paar Shots pro Spiel, um die Safeties tief zu halten. Das Loch, das Thornton hinterlassen hat, schließt Worthy nicht.
Deshalb finde ich auch die Trade-Idee nicht verrückt, die ESPN-Analyst Solak ins Spiel bringt: Worthy als Baustein in einem Paket für einen echten Field Stretcher. Ich würde ihn nicht verschenken, dafür ist er zu jung und zu günstig. Als Teil eines Deals für einen Receiver, der den Ball auch in Coverage fängt, wäre das aber okay. Welche Kandidaten dafür infrage kommen, steht in unserem Trade-Check von gestern.
Wie seht ihr das: Bekommt Worthy noch die Kurve als Deep Threat, oder sollten die Chiefs ihn als Trade-Baustein nutzen? Schreibt es mir in die Kommentare.
GO CHIEFS!










Ich würde Worthy gerne im Team behalten. Auch wenn er nicht unser Deep Threat ist, so schafft er doch bei ausreichender Seperation wichtige Yards after catch. Gemeinsam mit einem echten Deep Threat könnten wir das Spiel so auf ein ganz anderes Level bringen und unsere Rolle als Contender festigen.